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Berlin-Heerstrasse am 22.06.2019
Berlin-Heerstrasse am 22.06.2019

Berlin-Heerstrasse am 22.06.2019

Liebe Straßenhelden,

heute jährt sich der Todestag von Gunter Gabriel zum 2. Mal. Voller Trauer…..bla bla bla. Genau jetzt würde Big G sagen: „Halt die Schnauze mit deinem Spießer Gelaber!“

Auch wenn nach 2 Jahren die große und akute Trauer überwunden ist, fehlt ein, nein, es fehlt DER Mensch, der mir immer in die Fresse sagte, was angesagt ist. Offen, schonungslos,  ehrlich, und deshalb das Rückgrat immer gerade halten könnend, halten dürfend.

Ich hoffe und wünsche mir, dass ich davon gelernt habe,  davon lernen durfte.

Bald werde ich 41 und vor 3 Jahren spielte Gunter bei mir im Biergarten. Die Antwort, die er mir gab, als ich ihn im Pasta Basta sitzend nach der Gage fragte, war typisch: „Was bist ‘n du für ‘n Arsch? Glaubst du ich nehme von meinem Pfarrersmann Geld?“

Also spielte Gunter umsonst – wie so häufig – wie  viel zu häufig.

Aber die Erinnerung an diesen Abend bleibt. Oder wie Gunter es sagte: „Was von mir bleibt, sind meine Songs in den Gehörgängen meiner Fans oder besser auf deren Lippen. Was bleibt sind meine Songs.“ Genau dieses Motto, sein Lebensmotto, können wir auf dem Gedenkstein in Berlin lesen.

Jeder von Euch Straßenhelden da draußen hat seine Erinnerungen an und Erlebnisse mit GG. Heute denken wir besonders daran. Sentimental, vielleicht traurig. Aber lasst uns heute auch feiern. Oder wie Gunter es sagte: „Verdammt, mein ganzes Lebens is ne Party.“

Es gibt ein Lied der Band „Versengold“ : „Haut mir kein‘ Stein“. Hört da mal rein, ich muss dabei an Big G denken.

Was bleibt? Für mich das große Foto in meinem Büro, auf dem Gunter und ich im philosophischen Dialog sind und anstoßen. Mir bleiben seine Cowboystiefel, die er mir schenkte, weil er seine Schulden nicht zurückzahlen konnte. Die Stiefel lassen mich aufrecht stehen und sicher gehen, was aber nicht am Hersteller oder am Material liegt, sondern am Geist und am Mythos der in ihnen steckt.

Vielleicht noch ein persönliches Wort. Mir fehlt das gemeinsame Ritual des von der Reling Pinkelns. Immer wenn ich GG in Hamburg Harburg besuchte, stellten wir uns an die Reling und schifften ins Meer – oder wie Gunter es sagte: „ In die Hamburger Südsee.“

Beim Gedanken nicht nur an das Ritual, sondern an das Schiff, die Magdeburg selbst, wird mit bange. Immerhin waren die Erbauer der Arche Noah nur Amateure. Und dennoch hielt die Arche eine Sintflut aus (übrigens empfehlenswert  in der Bibel nachzulesen, Genesis). Leider sieht das bei der Magdeburg, obwohl Profis am Werk, anders aus. Sie steht zwei Jahre nach Gunters Tod vor dem Aus. Das Gunters zu Hause, sein Fluchtpunkt, seine Kreativwerkstatt, nun kurz vorm Versenken steht – wie die MoPo berichtete – macht mich traurig.

Bei der nächsten Sintflut, oder am jüngsten Tag, wenn die Welt untergeht, schwinge ich meinen Arsch in jedem Fall auf Noahs primitive Arche. Die scheint mir sicherer und geeigneter zu sein als die Magdeburg  im aktuellen Zustand. Die wird je eh bald gesprengt.

Dennis Stork

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